Die "Buben" wollen vordenken und auf Mehr Dialog setzen

Kandidaten für den Grünen Landesvorsitz stellen sich in Ludwigsburg vor

Die Entscheidung dürfte am kommenden Sonntag recht schwer fallen: Drei Kandidaten bewerben sich um das Amt als neuer Landesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, da Andreas Braun sein Amt nach sieben Jahren zur Verfügung stellt. Um sich vorher schon ein Bild von ihnen zu machen und ausführlich mit ihnen zu diskutieren, hat der Kreisverband Ludwigsburg die Bewerber eingeladen.
Doch den geladenen Delegierten für den Parteitag am Wochenende in Bad Krozingen dürfte die Entscheidung auch hinterher wohl kaum leichter fallen. „Wollt ihr euch den Job nicht teilen?“, fragte eine Delegierte scherzhaft. Denn überzeugend waren sie beide, Alexander Schenk (KV Schwäbisch Gmünd) und Daniel Mouratidis aus Backnang (der 3. Kandidat Memet Kilic musste wegen einer wichtigen Gemeinderatssitzung absagen). Und die „Buben“ zeigten, dass sie trotz ihres jungen Alters von 28, bzw. 29 Jahren schon längst aus der „Politikschulung“ heraus sind, wie sie die Äußerungen einiger älterer Politiker bei Bekanntgabe ihrer Kandidatur schlagfertig erwiderten. Beide kennen die Partei schon seit rund zehn, bzw. sechs Jahren, sei es als Mitglied im Landesvorstand der Grünen Jugend und deren Pressesprecher, im Kreisvorstand und als Kreisgeschäftsführer sowie als Landtags- und Bundestagskandidat (Alex) oder als Schatzmeister des Kreisverbandes, Landtagskandidat oder Mitarbeiter im Wahlkampfteam in der Grünen Bundesgeschäftsstelle (Daniel).
Inhaltlich will Alexander Schenk, Diplom-Betriebswirt und Mitarbeiter einer Steuerkanzlei, einen Schwerpunkt auf Sozial- und Wirtschaftspolitik legen. „Ich kann es nicht ertragen, wenn Kinder in Armut leben“, sagte er. Neu und stärker positionieren müssten sich die Grünen in der Ökologiepolitik, findet er. Wichtig ist ihm zudem ein engeres Verhältnis zur Grünen Jugend, denn dort gebe es wirklich eine gute „Politikschulung“. Doch auch die ältere Generation liegt ihm sehr am Herzen und er will grüne Antworten auf Fragen älterer Mitbürger geben. Alexander Schenk will die Landesgrünen als Mit-Mach-Partei positionieren, und dazu auch zwischen den Wahlkämpfen Kampagnen fahren und z.B. parlamentarische Initiativen mit Aktion flankieren. „Politik muss von den Menschen als etwas begriffen werden, das ihr Leben tangiert“, pflichtete Daniel Mouratidis bei.
Der Diplom-Verwaltungswissenschaftler und freier Mitarbeiter bei einem Anbieter ökologisch und sozial verantwortbarer Reisen und Projektkoordinator der Integrationsoffensive in Baden-Württemberg für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund setzt seine Schwerpunkte auf die Ökologie und die Entwicklung eines grünen Sozialstaatsmodells. „Hartz IV hat die Probleme nicht gelöst“, sagte er und will in der Partei eine breite Diskussion anzustoßen, um dann die baden-württembergischen Visionen auf Bundesebene zu übertragen. „Die Grüne Partei soll anderen immer einen Schritt voraus sein“, formulierte er sein Ziel. Besonders am Herzen liegt dem Halb-Griechen auch die Bekämpfung des Rechtsradikalismus. Als „Landesthema Nummer 1“ machte er die Bildungspolitik aus und unterstützt das Modell der Basisschule und will lebenslanges Lernen fördern.
Lobende Worte fanden beide Kandidaten für den hiesigen Landesverband, sehen aber dennoch auch Probleme bei der Mobilisierung potenzieller Wähler und Kandidaten und wollen deshalb Bündnisse mit den einzelnen Grünen und Grün-nahen Organisationen stärken und auf die verschiedenen Alters- und Bevölkerungsgruppen im Land zugehen und in Dialog treten. „Politik von Grünen darf keine festgefahrene Ideologie sein, dafür sind die Lebensformen heute viel zu komplex“ sagte dazu Alexander Schenk, der sich stattdessen eher für pragmatische Lösungen aussprach.
Die Vorstellungsrunde in Ludwigsburg am Mittwoch war die letzte der Kandidaten, die nahezu drei Wochen lang jeden Abend im Land unterwegs gewesen sind. Der Kreisverband Ludwigsburg wünscht den dreien auch weiterhin, dass sie mit so viel Engagement für die Grünen dabei sein werden, sei es nun als neuer Landesvorsitzender oder weiter in ihren bisherigen Funktionen.