Franz Untersteller: "Die Globalisierung rüttelt an unseren Streuobstbeständen"

Die Zukunft der Streuobstwiesen stand im Mittelpunkt des Naturschutztags der Kreisgrünen in Steinheim

Die Zukunft unserer Streuobstwiesen war eines der zentralen Themen des am vergangenen Samstag in Steinheim a. d. Murr vom Kreisverband der Grünen ausgerichteten Naturschutztags. Im Rahmen der sehr gut besuchten Veranstaltung wurden die drei in Steinheim, Oberstenfeld und Möglingen seit Jahren aktiven Streuobstinitiativen vom Kreisvorsitzenden der Grünen, Jürgen Walter MdL und dem Fraktionsvorsitzenden der Grünen Kreistagsfraktion, Daniel Renkonen für ihre Engagement zum Erhalt der regionalen Streuobstbestände mit einem Geldpräsent und einer Urkunde ausgezeichnet.


Zuvor hatte der Landtagskandidat der Grünen im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen, Franz Untersteller, in einem Vortrag die Situation der Streuobstwiesen beleuchtet. Untersteller, der derzeit als parlamentarischer Berater die grüne Landtagsfraktion in umweltpolitischen Fragen berät, legte dar, dass neben der Ausweisung von Baugebieten und Verkehrsprojekten, dem Rückgang der Landwirtschaft und der damit verbunden Aufgabe der Bewirtschaftung sowie dem Preisverfall beim einheimischen Obst zunehmend Gefahr von ganz anderer Seite für unsere Streuobstbestände droht. „Die Globalisierung rüttelt an unseren Streuobstwiesen“ – so der Grünen-Politiker in seiner Rede.


Immer weniger lande hochwertiger Apfelsaft von heimischen Streuobstwiesen in den Einkaufskörben. Stattdessen dominierten mehr und mehr Billigsäfte den Markt, die auf der Basis von aus Fernost, der Türkei oder Polen importierten Konzentraten hergestellt würden. Ein Problem hierbei sei, dass für die Verbraucher die ursprüngliche Herkunft der meist über Billig-Discounter vertriebenen Fruchtsäfte mangels ausreichender Kennzeichnung so gut wie nie nachvollziehbar sei. Mit irreführenden Etikettierungen und Bebilderungen werde teilweise auch noch suggeriert, dass es sich hierbei um Produkte auf der Basis hiesiger Rohware handele.


Die ganze Dramatik der Entwicklung machte Untersteller anhand einiger Zahlen deutlich. Wurde bis in die achtziger Jahre Apfelsaft in Baden-Württemberg überwiegend als Direktsaft abgefüllt, so werden heute rund 90% des im Land abgefüllten Apfelsafts auf Konzentratbasis hergestellt. Für das Segment des hochwertigen Direktsafts verblieben nur noch 10% der Gesamtmenge. Im Jahr 2003 stammten gerade noch 30% des hierzulande verarbeiteten Apfelsaftkonzentrats aus heimischem Streuobst. Rund 65% des von den baden-württembergischen Obstkellereine und Fruchtsaftherstellern verarbeiteten Konzentrats stammten demgegenüber aus Ländern wie China mit 120.000 Hektoliter, dem Iran mit 112.000 Hektoliter, der Ukraine 70.000 Hektoliter und - an der Spitze - Polen mit 640.000 Hektolitern.


Angesichts dieser Entwicklung könne man Slogans wie „Apfelsafttrinker sind Naturschützer“ getrost in den Papierkorb werfen. Dies stimme nur, wenn sich Verbraucherinnen und Verbraucher beim Einkauf verstärkt auf hochwertige Säfte von heimischen Streuobstwiesen entscheiden und hierfür auch bereit seien einen angemessenen Preis zu zahlen. „Eine intakte Landschaft gebe es nicht zum Nulltarif“ – so Untersteller. Es passe nicht zusammen, wenn man einerseits den – vor allem von Discountern angebotenen – importierten Billigsaft kaufe, gleichzeitig aber in einer intakten Landschaft mit ihren wunderschönen Streuobstwiesen wohnen, leben und sich erholen will. Ohne eine solch bewusste Entscheidung durch die Verbraucher sei das Ende der unsere Kulturlandschaft prägenden Streuobstwiesen absehbar.


Forderungen erhob der Grünen-Politiker zum Erhalt der rund 180.000 ha heute noch im Land bzw. rund 4000 ha im Landkreis Ludwigsburg existierender Streuobstbestände aber auch in Richtung der Landesregierung. So müsse über eine Verbesserung der Produktkennzeichnung sichergestellt werden, dass für die Verbraucherinnen und Verbraucher die Herkunft (z.B. 100% Direktsaft aus heimischen Streuobstwiesen; Apfelsaft auf der Basis von Konzentrat zu 100% aus heimischem Streuobst) leicht erkennbar sei. Die vom Land im Rahmen des so genannten MEKA-Programms gewährte Streuobstförderung von 100 €/ha müsse angehoben und zugleich auf Nichtlandwirte ausgeweitet werden. Daneben forderte Untersteller, dass die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, um die bei Bauvorhaben im Außenbereich oftmals festgesetzte Ausgleichsprämie verstärkt als Pflegeprämie für vorhandene Streuobstwiesen einsetzen zu können.