Grüner Landtagskandidat übt massive Kritik am Sicherheitsmanagement im Atomkraftwerk Neckarwestheim

Franz Untersteller: "Statt der von EnBW-Vorstandschef Claassen angekündigten Null-Toleranz-Politik erleben wir menschliches Fehlverhalten bis hin zu Schlamperei"

 

Als Beispiel dafür, dass aus den Störfällen der Vergangenheit bei den Verantwortlichen der EnBW kaum etwas gelernt wurde, hat der Landtagskandidat der Grünen im Wahlkreis Bietigheim-Bissingen, Franz Untersteller, den vor wenigen Tagen bekannt gewordenen Brand im Atomkraftwerk Neckarwestheim I bewertet. Aus der Hauptkühlmittelpumpe auslaufendes Öl war auf ein heißes Bauteil getropft und hatte sich dabei entzündet. Dies wiederum konnte nur passieren, weil im Zusammenhang mit der letzten Revision vergessen wurde die eigentlich an dieser Stelle vorgesehene Auffangeinrichtung zu installieren.


„Zum wiederholten Male“ – so Franz Untersteller – „ist menschliches Fehlverhalten, um nicht zu sagen Schlamperei, Ursache für einen Störfall in einem Kernkraftwerk der EnBW.“ Der Vorfall zeige – so Untersteller weiter – dass die vom EnBW-Vorstandsvorsitzenden, Utz Claassen, nach den schweren Störfällen in der Anlage Philippsburg II (Unterborierung und zu geringe Befüllung der Flutbehälter) bzw. in der Anlage GKN II (fehlende Stifte zur Befestigung von wichtigen Anlagenkomponenten) angekündigte „Null-Toleranz-Politik“ eine inhaltsleere Worthülse geblieben sei. Nach wie vor sei menschliches Versagen in den Anlagen der EnBW an der Tagesordnung.


Von einer neuen Sicherheitskultur und einem funktionierenden Sicherheitsmanagementsystem wie es nach den genannten Störfällen vom EnBW-Management vollmundig angekündigt worden war, sei man – so der Grüne Umweltpolitiker – nach wie vor weit entfernt. Franz Untersteller forderte Baden-Württembergs Umweltministerin Tanja Gönner in ihrer Funktion als oberste Atomaufseherin des Landes auf, endlich dafür Sorge zu tragen, dass den Nachlässigkeiten und Schlampereien in den von der EnBW betriebenen Kernkraftwerken in Philippsburg und Neckarwestheim endlich ein Ende gemacht wird. „Wer mit derart sensibler und hochgefährlicher Technik hantiert hat die Verantwortung dafür, dass dies mit der größtmöglichen Sorgfalt geschieht.“ Wenn die EnBW dies nicht garantieren könne, müsse man notfalls auch über atomrechtliche Konsequenzen, bis hin zum Entzug der Betriebserlaubnis nachdenken – so Untersteller abschließend.