Kontakte zur Grünen Basis – auch um den halben Erdball

Mongolischer Grüner zu Gast in Ludwigsburg

Der Grüne Kreisvorstand mit dem Gast aus der Mongolei: Ingrid Hönlinger, Max Bleif, Julia Schweizer, Olzod Bhum-Yalagch, Susanne Schwarz-Zeeb und Petra Heinle-Hettig.

Wenn sich normalerweise der Kreisvorstand der Grünen Ludwigsburg trifft, so legen einzelne Mitglieder schon mal 100 Kilometer dafür zurück. 8000 hingegen waren es für Olzod Bhum-Yalagch. Er ist der internationale Sekretär der Grünen in der Mongolei, Mitglied im Landesvorstand sowie Vorsitzender in der Hauptstadt Ulaanbaatar. Seit drei Wochen ist der Anbieter von ökologischen Reisen geschäftlich in Deutschland, und nutzt die Zeit auch, um hier die Grünen Schwesterparteien zu besuchen und für sein Anliegen zu werben.
Denn in der Mongolei sind nicht nur die Umweltzustände katastrophal – Autoreifen würden auch zum Trocknen und Heizen inmitten der Städte verbrannt, die Luftbelastung sei so hoch wie im Tokio der 50er Jahre und 80 % der Kinder leiden laut Olzod an Asthma – auch die Menschenrechte werden nicht immer geachtet, berichtet er. Erst vor vier Wochen sei bei einer Demonstration eine Frau der Rentner-Bewegung zusammengeschlagen und für 72 Stunden eingesperrt worden, ein älterer Mann sei laut Aussagen anderer Demonstranten bei der Blockade einer Goldmine durch einen Elektroschocker gestorben. Auch er selbst bekam erst vor kurzem einen Elektroschocker aufs Herz gesetzt und Schläge auf die Nieren. Der Täter sei dann aber nicht von der Polizei festgenommen worden, sondern vielmehr hätten diese dann auf die Grünen Demonstranten eingeknüppelt. „Einige haben sehr viel Geld“ sagt er, „und wenn den Reichen etwas nicht passt, schicken sie die Polizei“. Eine Scheindemokratie sei die Mongolei, Korruption sei ein großes Problem in dem Land, das ungefähr vier Mal so groß wie Deutschland ist und in dem gerade einmal 2,5 Millionen Menschen leben. Die zwei großen Volksparteien, die MRVP mit rund 160.000 und die Demokratische Partei mit rund 30.000 Mitgliedern, werden laut Olzod oligarchisch regiert, gerade einmal 250 Familien bestimmten über die Geschicke des Landes.
Diese Chance hatten auch die 1990 gegründeten Grünen einmal. Denn von 1996 bis 2000 waren sie durch eine Art Staatssekretär im Umweltministerium vertreten. Dadurch allerdings konnten sie nicht aktiver auftreten und z.B. gegen die Umweltverschmutzung demonstrieren, was zu vielen Parteiaustritten geführt habe; heute zählen die Grünen dennoch mit 1.200 Mitgliedern zu den größeren der kleinen Parteien. Nach dieser Zeit konnten sie sich wieder aktiver an den Protesten der zahlreichen Bewegungen des Landes, u.a. beim Besuch des US-Präsidenten Bush, beteiligen. Unterstützung kam bei den letzten Wahlen auch von deutschen und französischen Grünen und der Heinrich-Böll-Stiftung.
Die Verständigung ist dabei kein Problem: Olzod hat in Chemnitz, damals Karl-Marx-Stadt, Robotertechnik studiert und ist nach der Wende auf Biophysik umgestiegen. „Doch plötzlich war die Welt offen und ich wollte reisen“, erklärt er seinen erneuten beruflichen Wandel, der ihn nach drei Jahren im mongolischen Umweltministerium zum Aufbaustudium Tourismusmanagement nach Berlin und schließlich zur Gründung seiner eigenen Reiseagentur führte. Sein Ziel ist es nun, dass die Grünen bei der nächsten Wahl im Jahr 2008 ins Parlament einziehen können, denn, so sagt er, „Wir sind die Zukunftspartei, wir denken als einzige global“.
Der Kreisvorstand wird nun den Kontakt zu Olzod Bhum-Yalagch halten und ihn voraussichtlich auch am 19. Januar als Gast auf dem Neujahrsempfang begrüßen können. Zudem ist ein Vortrag von ihm über sein Land und die dortige politische Situation für Februar geplant.