Die Grünen sind sich einig in ihrer Haltung zum Güterverkehrszentrum

"Güter gehören auf die Schiene, das Güterverkehrszentrum gehört auf den Güterbahnhof in Kornwestheim und die Ausbaustufe 3 des Masterplanes gehört in den Papierkorb!", so lautet das einmütige Bekenntnis von Bündnis 90/Die Grünen, vom Ortsverband bis zur Landtagsfraktion.

Auf Initiative des Landtagsabgeordneten Jürgen Walter und des Kornwestheimer Grünen-Stadtrats Claus Langbein hin trafen sich Anfang März die Regionalräte Ingrid Grischtschenko und Josef Matschiner und der Landtagsabgeordnete Boris Palmer in Kornwestheim mit den Bürgerinitiativen und Grünen vor Ort, um sich ein Bild zu machen und über das Güterverkehrszentrum (GVZ) zu diskutieren. Die Vertreter der Bürgerinitiativen aus Stammheim und Kornwestheim äußerten ihre Besorgnis über eine Zunahme des Betriebs- und Straßenlärms. Sie forderten eine Beschränkung des Ausbaus und geeignete Lärmschutzmaßnahmen. Susann Boll-Simmler, Vorsitzende der Gemeinderatsfraktion Grüne/Bürger, berichtete, im Grunde sei ihre Fraktion für ein GVZ, die Stadtverwaltung habe aber den Gemeinderat vor die Wahl gestellt: Alles, das heißt Ausbaustufe 3, oder nichts! In dieser Situation habe sich ihre Fraktion gegen das ganze Vorhaben entschieden. Dieses Diktat, alles oder nichts, so auch die Einschätzung der Anwesenden, sei von der Sache her nicht gerechtfertigt und nähre die Vermutung, dass es der Stadtverwaltung weniger um das GVZ gehe, sondern eher um ein riesiges Gewerbegebiet auf der grünen Wiese. „Ich lehne einen Einschnitt ins Lange Feld für ein reines Gewerbegebiet entschieden ab!“, bekräftigte Claus Langbein.

Die Vorsitzende der Regionalfraktion Ingrid Grischtschenko beklagte, dass sich die Bahn vor Jahren aus dem Güterumschlag zurückgezogen habe. Nun brauche es öffentliche Unterstützung und Gelder, um diese Infrastruktur zu reaktivieren. Es sei notwendig, Industrie und Gewerbe in der Region einen zeitgemäßen Güterumschlag anzubieten, da sonst die grüne Urforderung „Güter gehören auf die Schiene!“ keine praktische Grundlage hätte. Der Güterbahnhof in Kornwestheim sei ein geeigneter Standort. Josef Matschiner, Regionalrat aus Ludwigsburg und Mitglied des Planungsausschusses beim Verband Region Stuttgart, erklärte, seine Fraktion habe ihre Zustimmung zur Beteiligung der Region mit 100.000 EUR an den weiteren Planungen zum Güterverkehrszentrum unter dem Vorbehalt gegeben, dass an erster Stelle die Brachen und stillgelegten Gleisanlagen im Bereich des Güterbahnhofs entwickelt werden und der weitere Bedarf dann erst nachzuweisen sei.

Da es in der Bewertung des GVZ keine nennenswerten Differenzen gab, wie Boris Palmer erfreut zusammenfasste, fiel es der Runde leicht, eine gemeinsame Position zu finden: „Bündnis 90/Die Grünen sind vom Ortsverband bis zur Landtagsfraktion für ein Güterverkehrszentrum auf dem bisherigen Gelände des Güterbahnhofs in Kornwestheim. Die Deutsche Bahn wird aufgefordert, ein klares Bekenntnis zum Güterverkehrszentrum abzugeben und eine aktive Rolle einzunehmen! Nur bei einem weiteren, nachgewiesenen Bedarf für Logistikbetriebe, die wirklich Güter auf die Schiene bringen wollen, kann eine Erweiterung westlich der Westrandstraße im Rahmen des bereits ausgewiesenen Gewerbegebietes bzw. der Ausbaustufe 2 mitgetragen werden. Schienenanbindungen sind vorzusehen; eine entsprechende Nutzung ist vertraglich festzulegen. Geeignete Lärmschutzmaßnahmen sind einzuplanen! Die Stadt Kornwestheim und der Verband Region Stuttgart werden aufgefordert, in diesem Sinne auf die Planungen Einfluss zu nehmen. Die Ausbaustufe 3 auf dem Langen Feld wird wegen des enormen Verbrauchs von hochwertiger Ackerfläche abgelehnt."