Dr. Uwe Stoll: Bewerbung als Kandidat für den Landtag im Wahlkreis Ludwigsburg

Liebe Freundinnen und Freunde, Seit 2017 bin ich Mitglied bei den Grünen. Damals und heute ist mir wichtig, in meinem Umfeld eine klare politische Position zu haben. Vor allem gegen die zunehmende Verrohung in unserer Gesellschaft, den stammtischtauglichen Radikalismus und den schlechten Umgang mit unserer Natur.

 

Schnell habe ich in unserer Partei Freund*innen gefunden und auch ein tolles Feedback erhalten. Von Sommer 2018 bis zum Februar 2020 war ich im Vorstand der Ludwigsburger Grünen aktiv, den ich aber aus beruflichen Gründen und wegen der Arbeit als Kreisrat und Aufsichtsrat der RKH-Kliniken verlassen habe.

 

Über mein gutes Ergebnis bei den Wahlen zum Kreistag 2019 habe ich mich sehr gefreut. Das motiviert mich, eine Brücke zu bauen zwischen Politik und Bürger*innen.

 

Für viele Bürger*innen in unserer Gesellschaft ist Politik auf dem besten Weg, sich zu entfremden. Es entwickelte sich ein in sich komplexer, von Netzwerken geprägter Apparat, der nicht mehr unmittelbar bei den Menschen ist. Die Folgen waren und sind eine sich immer weiter ausbreitende „Politikverdrossenheit“, die sich vor allem auf das politische Personal bezieht.  

 

„Zukunft wird aus Mut gemacht“ war das Motto zur Bundestagswahl 2018. Diesen Satz finde ich bis heute sehr treffend, aber der Mut zum Mut fehlt in der Wahrnehmung der Bürger*innen. Da muss einiges passieren! Ich möchte deutlich machen: Politik soll kein verselbstständigt agierendes System sein. Sie lebt von Menschen, die sich engagieren und beteiligen wollen! Ich möchte, dass die Menschen wieder Vertrauen in die Politik gewinnen und ihr die Kraft, wirklich etwas verändern zu können und zu wollen, zutrauen.

 

Ich bin kein lebenslanger Berufspolitiker, sondern arbeite als Anästhesist in der Orthopädischen Klinik Markgröningen. Seit 1984 bin ich im Gesundheitssystem tätig. Erst als Krankenpfleger, dann Medizinstudium in Tübingen, und seit 1996 als Anästhesist. Dadurch kenne ich unser Gesundheitssystem in- und auswendig, insbesondere die angespannte Lage in der Pflege. Ich kenne die Erschöpfung nach 24 Stunden Schichten und wie es sich anfühlt, über seine Grenzen zu gehen.

 

Durch meine intensive Arbeit in der Klinik bin ich jeden Tag mit Menschen zusammen, die mir beschreiben, wie weit sie sich von der heutigen Politik entfernt fühlen. Es fehlt an direkter Einbindung dieser Menschen in den politischen Prozess. Selbst Veranstaltungen von unserem Ortsverband in Ludwigsburg werden meistens nur von Mitgliedern und deren Freund*innen besucht. Kaum ein*e „Fremde*r" kommt hinzu und so kreisen unsere Ideen oft nur innerhalb der Partei und sind nicht transparent für andere.

 

Der Aufwand, dies zu ändern muss unsere Aufgabe in Zukunft sein. Ein Zeichen, dass sich vielleicht etwas ändert, ist der deutliche Mitgliederzuwachs der letzten Jahre. Es gibt also Menschen, die sich interessieren und den Politikbetrieb nicht als unnahbar wahrnehmen. Auch ich gehöre zu denen.

 

Diese Dinge waren für mich Auslöser mitzumachen. Es ist mir ein Anliegen, Grüne Haltung (Ja! Grün ist für mich auch Haltung) und Inhalte populär zu machen und die Menschen zu überzeugen, dass wir so nicht weitermachen können. Unsere Umwelt, die Natur und unsere Gesundheit sind Grundlagen für eine funktionierende Gesellschaft ohne Hass und Klassenbildung. Wir müssen uns sichtbarer um mehr Lebensqualität kümmern. Auch für Menschen, die fern vom Wohlstand leben. Dies sorgt für Zufriedenheit und verhindert Populismus. Zukunft wird aus Mut gemacht - dazu gehört Chancengleichheit in Bildung und Arbeit unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Religion oder anderen Dingen.

 

Gerade meine Unabhängigkeit von Karriere und Profilierung ist mein Pfund, und ich möchte deshalb in gewisser Weise auch selbstlos in den Ring steigen und Euch überzeugen.

 

Inhaltlich will ich im Landtag grüne Politik vertreten. Gesundheit als Daseinsfürsorge ist mir wichtig. Kliniken und andere Gesundheitseinrichtungen dürfen nicht nur mit ökonomischen Maßstäben gemessen werden!

 

Nach Jahren der Optimierung im Sinne von Ökonomie, oftmals mit der Notwendigkeit der Privatisierung kommunaler Kliniken sehen wir jetzt, wie essentiell das Prinzip der Daseinsfürsorge im Gesundheitssektor ist. Sie muss ein Teil unserer kommunalen Infrastruktur sein und auch bleiben! Gesundheitskonzerne sind nicht interessiert an einer Versorgung, die keine Gewinne bringt. Die Folgen sind Outsourcing ganzer Berufsgruppen, wirtschaftliche Vorgaben bei medizinischen Leistungen und damit auch die Gefahr eines grenzwertigen medizinischen Handelns für monetären Gewinn.

 

Eine weitere Problematik zeigt sich beim sogenannten „Pflegenotstand“. Die Pflege als Beruf, der überwiegend von Frauen ausgeübt wird, wird seit Jahren kaputt gespart. Obwohl Patienten- und Behandlungszahlen immer weiter steigen. Schuld daran ist ein Abrechnungssystem, das Wachstum voraussetzt und gleichzeitig wirtschaftlichen Druck erzeugt. Schlussendlich kann nur mit der Behandlung von Krankheiten betriebswirtschaftlicher Gewinn gemacht werden. Prävention wird sozialisiert und vernachlässigt. Die Belastung des Personals in Gesundheitseinrichtungen war schon vor Corona enorm und die o.g. Entwicklung führt nicht zur Motivation, einen Pflegeberuf auszuüben bzw. zu erlernen. Höhere Löhne in Industrie und anderen Branchen führten zu einem Ausbluten einer qualifizierten Pflege. Strukturelle Bemühungen wie Akademisierung der Pflege, Einrichtung einer Pflegekammer in Baden Württemberg, Anwerbung im Ausland (Braindrain!) führen nur langsam zu einer Verbesserung und brauchen Zeit mit fraglichem Erfolg. Zur Verbesserung müssen wir auch eine bessere Bezahlung in der Pflege fordern und den Tarifpartnern die Möglichkeiten dazu geben. Ich vermeide das Wort „Wertschätzung“, da es mittlerweile auch Unwort wurde. Von nur guten Worten kann eine Krankenschwester oder ein Pfleger nicht die Miete zahlen oder eine Familie ernähren. Respekt vor diesen Menschen, sowie anständige Bezahlung muss selbstverständlich werden!

 

Das wird jetzt in der Krise überdeutlich!

 

Die Natur ist unsere Lebensgrundlage! Der durch Menschen verursachte Klimawandel ist ebenso eine schwere Krise, die noch langsamer voranschreitet als Corona, aber in der Folge unsere Lebensgrundlage zerstören wird. Dazu braucht es ebenfalls tiefgreifende Maßnahmen, beispielsweise bei Mobilität und einer Transformation unserer Wirtschaft. Damit unser Leben auch lebenswert bleibt insbesondere für unsere Kinder. Diese Maßnahmen sind enorm wichtig und wir dürfen sie in dieser Zeit nicht vergessen. Der Klimawandel ist durch Corona nicht gestoppt. Die zu erwartenden finanziellen Schwierigkeiten dürfen nicht zum Aussetzen einer ökologischen Klimapolitik führen. Die jetzige Krise kann und soll auch Chance sein. Der „Wiederaufbau“ kann uns in eine veränderte, positivere Gesellschaft führen, wenn wir das gestalten. Politisch müssen wir dafür kämpfen.

 

Fast zehn Jahre grüne Regierung in Baden Württemberg haben gezeigt, das soziale Gerechtigkeit, Ökologie und Ökonomie vereinbar sind. Genau das ist es, was unser Land auch in Zukunft braucht und dafür will ich mich einbringen!

 

Schon jetzt bedanke ich mich bei Euch für Euer Vertrauen und Eure Stimme!

 

Mut tut gut!

 

Dr. Uwe Stoll